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Ein holländisch-deutsches Joint Venture für den Frieden

VFD Aktuell

Mit meinen zwei Trabern 240 km unterwegs von Duiven in Holland bis nach Waterloo

Über den Friedenstreck 2021 von Thüringen nach Westfalen habe ich bereits berichtet. Da mein Traber Emile sich in den Bergen im Einspänner ganz schön abgemüht hat, habe ich beschlossen, den Hollandtreck 2022 zweispännig zu fahren. Gesagt getan. Am 02.09.2021 holte ich den Traber Johnny zur Verstärkung ins Team. Ich begann mit einer behutsamen  Ausbildung mit positiver Verstärkung. Im abwechslungsreichen Gymnastikprogramm halfen Podest- und Wippentraining, Zirkelarbeit, Equikinetik und Gelassenheitstraining dabei, Johnnys Selbstvertrauen und unsere Beziehung zu stärken. Es folgten erste Ausritte im Schritt und Trab zu zweit, dann auch mit kleinen und größeren Reitergruppen. Kurz nach Neujahr 2022 haben wir Johnny zum ersten mal vor eine Gig gespannt.

 


Mein Enkel und meine Tochter sind mit dem Traber Emile voraus gefahren. Da mein Johnny  wunderbar auf meine Stimme und feine Hilfen gehört hat, konnte ich mich schon bei der ersten Ausfahrt an die Spitze setzen. Von nun an begannen meine Beifahrerin Doris Vegelahn und ich mit einem intensiven Training. Wir hatten ein großes Zwischenziel: Wir wollten mit dem Verein Friedensglocken e.V. und  insgesamt 8 Kutschen im Mai in Duiven in Holland starten, um das Friedenslicht und die Friedensbotschaft nach Brüssel in das EU Parlament zu bringen.
Zur Vorbereitung gewöhnten wir Johnny an unterschiedliche Kutschen und das Kutschendach. Zusätzlich nahm ich ihn bei Ausritten als Handpferd mit. Schon vier Wochen nach dem ersten Einspannen war es dann soweit: Mit Walter Binsau holte ich noch einen erfahrenen Kutscher mit ins Boot, und wir fuhren zum ersten Mal mit 2 Trabern zweispännig. Dank der guten Vorarbeit gab es gar keine Probleme. Es folgten Tages- und Mehrtagestouren, auf denen wir alle möglichen Situationen trainierten. Zum Beispiel das Ein- und Ausspannen und den Paddock-Aufbau in der Mittagspause und das Fahren im Konvoi. Dann war es so weit: Wir starteten gemeinsam mit 6 weiteren Kutschen und dem Glockenwagen wie geplant in Duiven bei Arnheim, um in der Frühe das Friedenslicht entgegen zu nehmen.


In jedem Jahr begehen die Holländer am 5. Mai ihren Nationalfeiertag der Befreiung mit Gedenkveranstaltungen, Schweigeminuten und Kranzniederlegungen.
Starke Friedenssymbole : das holländische Friedenslicht und die deutsche Friedensglocke sollten in dieser Zeit, in der Krieg in der Ukraine herrscht, für den Frieden zu werben.


Die Botschaft ist eindeutig: Auch ehemals stark verfeindeten Ländern gelingt gemeinsame Friedensarbeit !

Wir fuhren durch viele geschichtsträchtige Orte, unter anderem über die Brücke von Arnheim und über die Brücke von Nijmegen, die wegen ihrer strategischen Bedeutung im 2. Weltkrieg hart umkämpft war. Weil der Treck erst am Wochenende das Ziel Brüssel erreicht hätte und vor verschlossenen Türen gestanden wäre, wurden am 6. Tag 2 Kutschen und der Glockenwagen verladen. 

In der Hochsicherheitszone des EU-Parlaments wurden die automatischen Schranken für die Pferde- und Kutschenanhänger geöffnet. Ja, Pferde öffnen Herzen und Türen! Die Abgeordnete Frau Walsmann nahm das Friedenslicht aus Duiven entgegen. Es leuchtet nun in Brüssel.
Möge die Friedensbotschaft nachhaltige Spuren im internationalen Politbetrieb hinterlassen!


Unser Pferdetreck zog weiter durch Holland und Belgien bis nach Waterloo. Überall wurden wir offenherzig empfangen und gab es konstruktive Gespräche unter friedliebenden Menschen.


Am Ende des Trecks stiegen wir auf den 40 m hohen Löwenhügel von Waterloo. Hier hat Napoleon 1815 seine letzte Schlacht verloren. Kriege hinterlassen Spuren... Früher wurde aus Glocken Munition gegossen. Heute soll unsere aus Munitionsschrott gegossene Glocke von der großen Sehnsucht der Menschen nach Frieden künden. Ich bin stolz darauf, zusammen mit meinen Pferden diese Botschaft in die Welt zu tragen.

 

Notiz:

Text und Bilder: Viola Köhler