Donnerstag, 07.12.2017, von 17 – 20 Uhr im Haus der Natur, Lindenstr. 34, 14467 Potsdam

Die Idee für den Workshop entstand in Kooperation zwischen den Landesverbänden des NABU (Naturschutzbund Deutschland e.V.) und des VFD (Vereinigung der Freizeitreiter und –fahrer in Deutschland e.V.). Er fand im Rahmen des Projektes "Lebenswerte Natura 2000-Gebiete – Umweltsensibilisierung für ein gutes Miteinander von Mensch und Natur" des NABU Landesverbands Brandenburg unter der Leitung von Laura Klein statt. Die Veranstaltung ging der Frage nach, wie die Beweidung mit Freizeitpferden zur Artenvielfalt beitragen kann. Insbesondere Freizeitreiter wünschen sich oft eine artgerechtere Pferdehaltung mit vielen Bewegungsanreizen und halten „Robustrassen“ wie Islandpferde, Fjordpferde, Tinker oder PREs (Pura Raza Española). Solche Pferde brauchen eher proteinarmes Futter wie ungedüngte Weiden oder Heu aus spätem Schnitt. Und während die Anzahl der Schäfer in Brandenburg weiterhin rückläufig ist, nimmt die Anzahl der Pferdehalter immer mehr zu. Könnte dabei die Beweidung mit Pferden eine Alternative für die Umsetzung naturschutzfachlicher Ziele wie beispielsweise die Erfüllung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie darstellen? Und wie könnte auch auf Weideflächen privater Pferdehalter oder in Pensionsbetrieben die Artenvielfalt bewahrt bzw. gesteigert werden? Welche gemeinsamen Ziele verfolgen Naturschützer bei der Bewahrung der Biodiversität, Pferdehalter für die Gesunderhaltung ihrer Tiere und welche Herausforderungen ergeben sich bei der Beweidung mit Pferden?

(Foto: Laura Klein)


Bei dem Workshop wurde zum Einen wissenschaftliches Hintergrundwissen durch Prof. Dr. Antje Stöckmann von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung (FH) Eberswalde vermittelt und zum Anderen Beispiele aus der Praxis wie die Lichterfelder Weidelandschaft oder Landschaftspflege mit Islandpferden durch den Landschafts-Förderverein Nuthe-Nieplitz e.V. vorgestellt. Nach den Impulsvorträgen gab es angeregte Diskussionen und es haben sich Schwerpunktthemen wie geschicktes Flächenmanagement, Giftpflanzen (z.B. Jakobs-Kreuzkraut, Graukresse) oder prophylaktische vs. selektive Entwurmung herausgestellt. Die Diskussion hat aufgezeigt, dass mit der steigenden Anzahl an Pferden auch Probleme mit zu intensiv genutzten Weiden, der Ausbreitung von „Weideunkräutern“ oder den großen Mengen an Pferdedung zunehmen, welche wiederum zum schlechten Image der Pferdebeweidung insgesamt beitragen. Es wurden unter anderem Fragen diskutiert wie: Was ist eigentlich extensiv? Welche Fördermöglichkeiten gibt es für artenreiches Grünland und muss man dafür Landwirt sein? Wie kann man auch kleinere Pferdeweiden naturschutzfachlich aufwerten?

(Fotos: Ninett Hirsch)

Es hat sich gezeigt, dass der Workshop der Beginn eines intensiveren Dialoges zwischen Naturschützern und Pferdehaltern sein kann und es ist geplant, dass sich eine Arbeitsgruppe zum Thema Pferdebeweidung & Naturschutz gründet. Diese könnte weitere Veranstaltungen zu den vielen offen gebliebenen Fragen und Schwerpunktthemen wie „Problempflanzen“, Wurmkuren, Fördermöglichkeiten oder Flächenmanagement durchführen. Und sie soll gleichzeitig eine Plattform darstellen, um Naturschützer und Pferdehalter zusammen zu bringen. Ganz konkret könnten Kooperationen zur sinnvollen Nutzung von Heu aus Naturschutzflächen oder temporäre Beweidungen naturschutzfachlich wertvoller Flächen in Begleitung bzw. Beratung von Naturschützern vor Ort (z.B. Gebietsbetreuer) entstehen. 

Wer Interesse hat sich in der AG Pferdebeweidung & Naturschutz zu engagieren bzw. weiterhin informiert werden möchte, kann sich gern bei mir melden: hisch@NABU-brandenburg.de

Weitere Information zum Projekt „Lebenswerte Natura 2000-Gebiete“: https://brandenburg.nabu.de/FFH

weiterführende Literatur:

Bunzel-Drüke et al. (2015): Naturnahe Beweidung und Natura 2000 – Ganzjahresbeweidung im Management von Lebensraumtypen und Arten im europäischen Schutzgebietssystem Natura 2000. Heinz Sielmann Stiftung, Duderstadt

Bunzel-Drüke et al. (2008): Praxisleitfaden für Ganzjahresbeweidung in Naturschutz und Landschaftsentwicklung – „Wilde Weiden“. Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest e.V., Bad Sassendorf-Lohne 

Vanselow (2005): Pferdeweide – Weidelandschaft: Kulturgeschichte, ökologische und tiermedizinische Zusammenhänge. Die neue Brehm Bücherei, Westwarp Wissenschaften-Verlagsgesellschaft mbH, Hohenwarsleben

Vanselow (2016): Artenvielfalt auf der Pferdeweide: Grünland erkennen – Zeigerpflanzen deuten. Neue Brehm Bücherei kompakt, VerlagsKG Wolf, Magdeburg

Notiz:

Text: Ninett Hirsch